[Review] Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) von Uli Edel (im 4k-UHD- und Blu-ray-Keep-Case)

8.2
Zusammenfassung:

EuroVideo haben uns die 4k-UHD-Fassung zu Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo zur freundlichen Begutachtung überlassen. Ob sie uns damit sprichwörtlich inhaltsgleich anfixen, bleibt abzuwarten.

Story

Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo wurde 1981 unter der Regie von Uli Edel und der Schirmherrschaft von Produzent Bernd Eichinger ins Kino gebracht und schlug in das Zeitkolorit ein wie eine Bombe. Wie die Zeit zeigt wurde der von der Kritik etwas verschmähte Kassenkracher aber wie ein guter Wein in seiner Reifung erst richtig gut. Erzählt wird die fiktionalisierte Geschichte von Christiane Felscherinow, die zuvor als Spiegelbesteller in Quasidokumentationsform ebenfalls schon erzählt und von vielen verschlungen wurde. Christiane F. ist ein zu Beginn 13-jähriges Mädchen, das in sehr schlankem Ernährungszustand ist und von der Mutter etwas vernachlässigt wird, während das Berlin der Endsiebziger Jahre nicht spurlos an ihr vorbeigeht – will heißen: Drogen, Sex und David Bowie. Heroin ist das Schlagwort der Stunde und Prostitution bei Minderjährigen die Folge. Ich aus meiner damaligen Sicht wurde durch diesen Film stark geprägt meine Finger von Heroin zu lassen, andere berichten, dass sie erst hierdurch dazu kamen. Dieser sogenannte Werther-Effekt machte nicht nur Goethe Kopfschmerzen, sondern setzt sich im gesellschaftlichen Diskurs fort. Wie dem auch sei, Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ist immer noch ein hervorragend inszenierter und musikalisch grandios untermalter deutscher Film, der zurecht als Klassiker des sozialen Realismus in der Drogenszene bezeichnet werden kann.

Bild und Ton

Eine 4k-Restauration, wie sie groß sogar auf der DVD beworben wird, war also längst überfällig. Während die hier vorliegende Blu-ray (1080p24) wirklich ein sehr gutes Bild bietet, schlägt die UHD (2160p24) diese aber um Längen. Der Film erstrahlt hier im Heimkino, wie sicher nicht die letzten Jahrzehnte im Programmkino und muss ein wenig so bei der Premiere ausgesehen haben. All die jugendliche Lebenslust, das Flair vom Berlin dieser Zeit, aber auch das Abgeschlagene, Düstere und Hoffnungslose finden hier in einer Bild- und Lichtdramaturgie die Anerkennung, die sie auch damals schon verdient haben. Leider wurde nicht das Original-Kinoformat von 1,66:1 restauriert, sondern leicht angepasst an Fernseher mit 16:9 (1,78:1). Dies kann man allerdings verkraften. Vom Ton, der sowohl auf der Blu-ray, als auch auf der UHD in DTS Master Audio 5.1 vorliegt ganz zu schweigen, obwohl der in den Vorgängerveröffentlichungen auch schon dabei war, hier jedoch überarbeitet wurde. In diesem Sinne klingt der Soundtrack von David Bowie noch ein Stück besser und untermalt das Bild so wie es sein soll.

Verpackung und Ausstattung

Nun aber zum großen Streitpunkt: Verpackung und Ausstattung. Zunächst einmal muss gesagt werden, dass sowohl die Restauration, als auch die Verpackung und Ausstattung die Höchstnote verdient hätten. Leider hat uns die Veröffentlichungspolitik einen Strich durch die Rechnung gemacht. Können geneigte Fans sich entweder die DVD oder Blu-ray holen, was soweit in Ordnung erscheint, macht EuroVideo den Sammeljunkies einen echten Strich durch die Rechnung. Denn obwohl es ein hervorragendes und wunderschönes Mediabook gibt, das mit einem sehr informativen und fachlich kompetenten Booklet von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und Stefan Jung ausgestattet ist, fehlt diesem leider die 4k-UHD. Ein solcher Fauxpas ist für Filmnerds leider nicht zu entschuldigen und lässt einen mit offenen Fragen dastehen. Die UHD-Version kommt denn zum Glück mit Blu-ray und der UHD, allerdings im Schmucklosen Amaray-Schuber, der immerhin ein Wendecover erhalten hat, damit man den FSK-16-Sticker verstecken kann. Leider wird das Mediabook trotz des großartigen Booklets und der Gestaltung damit entwertet. Es bleibt den geneigten Komplettistinnen also nichts anderes übrig, als sich das perfekte Mediabook selbst zu basteln und die DVD zu archivieren und mit der UHD auszutauschen, die übrige Blu-ray weiterzuverschenken. Schade allerdings. Was nicht schade ist wiederum, ist das Bonusmaterial auf den Discs, allen voran der Audiokommentar von Stiglegger und Jung, die ein Audiokommentarinterview mit Regisseur Uli Edel strukturiert haben, das wirklich seinesgleichen sucht und zwischen den Erinnerungen des mittlerweile 75-jährigen Uli Edel und klugen Fragen und Anmerkungen die Kunst des Audiokommentars weiterhin hochhalten. Ein Dank geht hier definitiv an EuroVideo dies möglich gemacht zu haben, da es den Wert dieser Veröffentlichung wiederum auch für filmwissenschaftliche Zwecke enorm steigert. Das ebenfalls spannende und absolut sehenswerte Interview-Feature mit Hauptdarstellerin Natja Brunckhorst ist weiterhin zu erwähnen, das von Sadi Kantürk und Sabrina Mikolajewski gemacht wurde. Wäre da nicht wieder ein Wermutstropfen, der wiederum ein Fauxpas zum Teil ist. Denn auf dem Backcover des Mediabooks steht der Arbeit und Expertise der Filmwissenschaftler zum Trotz nur „Audiokommentar mit Uli Edel“. Auf der UHD-Amaray wiederum steht mit Sternchen versehen quasi im Kleingedruckten: „Mitarbeit am Audiokommentar: Prof. Dr. Marcus Stiglegger & Stefan Jung.“ Immerhin, aber ein wertschätzendes Glanzstück hat sich EuroVideo hiermit nicht geleistet.

Technische Details

4k-UHD: 2160p24 16:9 (FF 1,78:1)
Blu-ray: HD10 1080p24 (1,78:1)

Tonspuren

Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1

Untertitel

Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Bonusmaterial

Audiokommentarinterview von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und Stefan Jung mit dem Regisseur Uli Edel
Interview mit Natja Brunckhorst
Casting Einblicke

 

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